Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte

Ein wichtiger Beitrag der Reserve zum Heimatschutz

 „Als neue Elemente (der Reserve) werden in der Streitkräftebasis (SKB) unter truppendienstlicher Führung der Landeskommandos nach regionalem Aufkommen RSUKr aufgestellt."

Mit dieser Aussage in der am 01. Februar 2012 durch den Bundesminister der Verteidigung, Dr. Thomas de Mazière, gezeichneten neuen Konzeption der Reserve (KdR) wird der Startschuss für die Aufstellung von RSUKr im gesamten Bundesgebiet gelegt.

Insgesamt sollen bis zu 27 nichtaktive Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanien (RSUKp) entstehen. Bis zu 2700 Reservistinnen und Reservisten können sich in den RSUKr beordern lassen und damit einen wichtigen Beitrag zum Heimatschutz im Rahmen der SKB leisten.

Die „Renaissance" des Heimatschutzes kommt nicht überraschend. Die Steigerung der Bedeutung des Heimatschutzes ist wesentlich in dem im November 2010 von der NATO verabschiedeten Neuen Strategischen Konzept begründet. Dort wird neben den Kernaufgaben wie der Kollektiven Verteidigung und der Förderung internationaler Stabilität auch den neuen Bedrohungen wie Cyber Security, Internationaler Terrorismus und Energiesicherheit Rechung getragen. Diese Bedrohungen erfordern eine Stärkung des Heimatschutzes.
Folgerichtig wird der Beitrag der Bundeswehr zum Heimatschutz in den im Mai 2011 erlassenen Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) erwähnt. Der Heimatschutz wird somit den Streitkräften als Teil der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge als subsidiärer Auftrag zugeschrieben.
Der Beitrag der Bw zum Heimatschutz kann sich nicht ausschließlich auf die aktive Truppe abstützen. Die Reserve soll und kann dazu ihren Beitrag leisten.

Die RSUKr gehören zu der neuen Kategorie „Territorialen Reserve", in der die SKB ihren Beitrag zum Heimatschutz bündelt. Die Territoriale Reserve wird für territoriale Verbindungs-, Sicherungs- und Unterstützungsaufgaben eingesetzt. Damit wird die SKB über eigene Kräfte zur Unterstützung von Territorialen Aufgaben mit ca. 7000 Beorderungsmöglichkeiten verfügen. Sie besteht aus den bereits existierenden Bezirks- und Kreisverbindungskommandos, dem Anteil Reservisten in den Stützpunkten für die Zivil-Militärische Zusammenarbeit Inland (ZMZ/I) der SKB und - als neuem Element - den RSUKr.
Eine begriffliche Gleichsetzung der RSUKr mit den Mitte des letzten Jahrzehnts aufgelösten Heimatschutzverbänden, die noch auf die Zeit des „Kalten Krieges" zurückgehen, wurde wegen der nur teilweise vergleichbaren Aufgaben bewusst vermieden. Die Bezeichnung „Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte" verdeutlicht sowohl den regionalen Bezug als auch den Auftrag der RSUKr.
Kernauftrag der RSUKr ist die Wahrnehmung von originär militärischen Wach- und Sicherungsaufgaben zum Schutz militärischer Anlagen und Einrichtungen. Subsidiär können RSUKr auch Unterstützungsaufgaben bei der Katastrophenhilfe im Rahmen des Artikels 35 GG wahrnehmen. Diese Aufgaben stehen jedoch schon aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht im Vordergrund. Im Grundbetrieb können RSUKr weitere Funktionen als regionale Multiplikatoren, als zivil-militärischer Mittler, in der Personalwerbung und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch bei der Unterstützung von militärischen Projekten und Großveranstaltungen der Landeskommandos (LKdo) übernehmen.
Die RSUKr werden in den LKdo aufgestellt und sind diesen in jeder Hinsicht unterstellt. Jeder wehrrechtlich verfügbare Reservist kann sich in den RSUKr beordern lassen. Zur Sicherstellung der Unterstützung der RSUKr im Grundbetrieb werden die Einheiten der RSUKr zumeist mit einem Patentruppenteil auf Zusammenarbeit angewiesen. Dieser unterstützt vorrangig mit Material und Infrastruktur. Die Stationierung der RSUKr in Nähe ihres Patentruppenteils wird angestrebt.
Kern der RSUKr ist das regional aufwachsende, nichtaktive Kompanieäquivalent. Jede RSU-Einheit wird über einen aktiven Personalfeldwebel verfügen, der neben der Personalbearbeitung die Verbindung zum Patentruppenteil hält. Die Kompanie besteht aufbauorganisatorisch aus einem Führungselement (u.a. KpChef z.B. Major) mit unterstellten Teileinheiten (Schaubild 1). Die Grundgliederung der RSU-Einheit folgt dabei der Gliederung der „Standardkompanie" mit drei Zügen. Stets verfügt die RSUKp über ein Sicherungselement. Dies unterstreicht den militärischen Auftrag. Als Besonderheit der RSUKr können die Züge jedoch unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten unterschiedliche Aufträge und damit auch unterschiedliche Bezeichnungen erhalten. Regionale Initiativen von Reservisten sollen möglichst in RSUKr integriert werden. RSUKr werden somit auf Zugebene keine einheitliche Gliederung haben. Bei regional höherem Aufkommen an Reservisten können mehrere Kompanieäquivalente zusammengefasst werden. Es ist auch die Dislozierung von Zügen in der Fläche denkbar.
Insgesamt werden die RSUKr unter größtmöglicher organisatorischer Flexibilität aufgestellt, um regionale Besonderheiten berücksichtigen zu können. Die Flexibilität schließt auch die Dienstgradstruktur ein. Damit bieten sich allen interessierten und geeigneten Reservisten neue, attraktive Möglichkeiten für eine Beorderung.
Die Aufstellung der RSUKr unter Führung der LKdo erfordert zunächst eine detaillierte Bestandsaufnahme, die seit Anfang des II. Quartals 2012 durchgeführt wird. Inhalt der Bestandsaufnahme ist die Ermittlung des regionalen Aufkommens der für RSUKr verfügbaren und geeigneten Reservisten, der Verfügbarkeit von Patentruppenteilen sowie die Prüfung möglicher Stationierungsorte und einer möglichen Spezialisierung der RSUKp (beispielsweise ABC-Schutz). Die Bestandsaufnahme wird in einen Antrag der LKdo auf Aufstellung von RSUKr münden. Nach Entscheidung über die Aufstellung, einschließlich des Zeitpunkts der Aufstellung, werden die Organisationsgrundlagen u.a. als Basis für die Beorderungen geschaffen. Es ist davon auszugehen, dass die vorbereitenden Maßnahmen für die ersten zukünftigen RSU-Einheiten im Herbst 2012 abgeschlossen sein werden, so dass danach mit ihrer Aufstellung begonnen werden kann. Eine fundierte Ausbildung und das Herstellen der Einsatzbereitschaft ist voraussichtlich ab dem 1. Halbjahr 2013 möglich. In Abhängigkeit der Verhältnisse „vor Ort" sind Abweichungen, insbesondere eine frühere oder spätere Aufstellung, möglich (Schaubild 2).
In jedem Jahr sollen die RSUKr an bis zu 5 Ausbildungstagen an einer Ausbildung zur Sicherung militärischer Anlagen teilnehmen sowie an bis zu 5 weiteren Ausbildungstagen für sonstige Unterstützungsaufgaben ausgebildet werden. Erst im Fall eines Einsatzes wird die Ausbildung der Lage und dem Auftrag angepasst durchgeführt werden. Die Ausbildung wird maßgeblich durch die Reservisten selbst durchgeführt werden („Reservisten bilden Reservisten aus"). Der Reservistenverband wird in die Ausbildung eingebunden werden. Das Führungspersonal wird eine intensivere Ausbildung erhalten, damit es nach Aktivierung seiner Führungsaufgabe im vollen Umfang nachkommen kann.
Zusammenfassung: Heimatschutz ist eine wichtige Domäne der Reserve und erfährt durch die neu aufzustellenden RSUKr eine deutliche Stärkung. RSUKr tragen darüber hinaus maßgeblich zur Entlastung der Streitkräfte im Grundbetrieb und Verbesserung ihrer lagebezogenen Aufwuchsfähigkeit bei.

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